Beatrice Knop

Die letzte deutsche Primaballerina

von und

Dann – mit Lebenserfahrung – bekommen auch die Bewegungen eine andere Bedeutung?
Absolut. Ich habe das Gleiche dann auch noch mal in Berlin beobachten können, als Polina Semionova zum ersten Mal die Tatjana mit Anfang zwanzig getanzt hat. Abgesehen davon, wie sie war und wer sie war, habe ich mich gefühlt, als würde ich mich selbst in Essen sehen. Diese junge Frau hat technisch fantastisch getanzt und alles aus sich rausgeholt, was zu dieser Zeit darstellerisch für sie möglich war. Aber ich bin mir sicher, dass auch sie heute das Gefühl hat, bei ihren ersten Vorstellungen als Tatjana noch nicht die entsprechende Reife gehabt zu haben. Sie begann gerade, alle großen Rollen zu tanzen, und plötzlich kam diese Rolle, die von großen Darstellerinnen und erwachsenen Frauen getanzt wird. Ich bin sicher, sie würde auf eine entsprechende Frage dasselbe antworten wie ich.

Sie haben einmal gesagt: Mit Mitte dreißig ist man auf dem Höhepunkt der Karriere und muss sich schon auf den Abstieg vorbereiten. Und nun erzählen Sie, für manche Rollen braucht man eine gewisse Lebenserfahrung – wie geht das zusammen?
Ich bin der Meinung, eine Tatjana kann man frühestens mit Ende zwanzig, Anfang dreißig glaubhaft gestalten. Und ja, das ist natürlich schade, denn dann kann man diese Rolle vielleicht noch acht bis zehn Jahre tanzen. Die ersten fünfzehn Jahre sollte man das nicht, weil man noch zu jung dafür ist. Solche Rollen sollten erst kommen, wenn man innerlich soweit ist und sie sich schon sehr lange gewünscht hat. Wenn man jahrelang darauf wartet, dass man die Tatjana tanzen darf, dann bekommt die Rolle schon aus diesem Grund ein ganz anderes Gewicht. Für eine Ballerina ist es einfach eine Traumrolle zum Darstellen, Genießen und Fühlen. Es gibt zwei, drei technische Tricks, die einfach sitzen müssen, und auch Schwierigkeiten in der Variation, aber es ist nicht vergleichbar mit „Schwanensee“, „Dornröschen“ oder „Don Quixote“. Dort sind technisch gesehen ganz andere Qualitäten gefragt, da sie eben die hohe Klassik im Ballett darstellen. Auch deshalb ist diese Rolle für viele Tänzerinnen, die jahrelang die besagte hohe Klassik getanzt haben, ein Traum. Natürlich sind die Pas de deux nicht leicht, aber wenn man einen guten und kräftigen Partner hat, der in der Lage ist, diese Hebungen zu meistern, ist es technisch kein sehr schwieriges Ballett ...

Aus S. 96 bis 204.

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